Dirk Lennhoff ist der Mann am Rande des Beckens

CASTROP-RAUXEL Fast ein Vierteljahrhundert gehört Dirk Lennhoff dem Schwimmverein Poseidon an. Dennoch ist der 46-Jährige fast ausschließlich am Rande des Beckens anzutreffen. Ein Porträt.

"Ich kann schwimmen", sagt Lennhoff, um Zweifel gleich auszuräumen. Zwar habe er mit zehn Jahren mal eine Medaille für Waspo Hörde erschwommen, danach aber die Badehose an den Nagel gehängt. Heutige sportliche Aktivitäten? "Eher null", sagt Lennhoff.

Dennoch ist er eine der zentralen Figuren des Schwimmsports in Castrop-Rauxel und darüber hinaus. Seit 2009 zählt der Europastädter zum Schiedsrichterkader des Deutschen Schwimmverbandes (DSV). "Wenn ich zeigen sollte, was ich als Kampfrichter so beurteile, hätte ich wohl meine Schwierigkeiten", schmunzelt Lennhoff.

Seit 23 Jahren Mitglied als "Trockenschwimmer"

Beim SV Poseidon bekleidet der 46-Jährige seit zwei Jahren das Amt des Vorsitzenden. Seit 23 Jahren ist Lennhoff Mitglied, wenn auch mehr als "Trockenschwimmer". Zum SV kam er durch seine heutige Frau und damalige Freundin Andrea. Sie war damals in der Schwimmausbildung tätig und fragte Lennhoff nach Unterstützung. Inzwischen sind die beiden Schlüsselfiguren beim SV Poseidon: Er als Vorsitzender, sie als Technische Leiterin und Trainerin des erfolgreichen Nachwuchsschwimmers Marvin Kunze.

Dieses Engagement fordert viel Zeit. Fast jeden Abend sind die beiden damit beschäftigt Anmeldungen für Schwimmveranstaltungen zu verschicken oder andere Dinge für den Verein zu regeln. "Wir sind froh, wenn wir mal abends zusammen sitzen können und es nicht ums Schwimmen geht", erzählt der 46-Jährige.

Trotz ihres großen Einsatzes läuft es nicht optimal für den SV Poseidon. Die andauernde Sperrung des Hallenbades hinterlässt Sorgenfalten. Bis Ende Februar oder gar Anfang März soll die Sanierung der Halle noch dauern. Das bedeutet nicht nur lange Anfahrtswege für die Wettkampfmannschaft, die derzeit nach Gladbeck zum Training fährt, sondern auch existenzielle Schwierigkeiten für den Verein. "Wir haben ein finanzielles Problem", verrät Lennhoff. Dem Schwimmverein ohne Schwimmbad bleiben die Mitglieder fern.

Neuzugänge bleiben aus - "Noch so ein Jahr überleben wir nicht"

Die normale Fluktuation läge bei bis zu 120 Mitgliedern, die jährlich den Verein verlassen, während ungefähr die gleiche Anzahl neuer Mitglieder beitrete. Diese Neuzugänge bleiben aber nun aus. Daher müsse der Vorstand derzeit jeden Euro zwei Mal umdrehen. Viele Aktivitäten wurden bereits gestrichen, um den Wettkampfbetrieb aufrecht erhalten zu können. "Noch so ein Jahr überleben wir nicht", befürchtet Lennhoff.

Dabei hatte der SV doch ausgerechnet 2009 seine Aktivitäten ausweiten wollen: "Wir hatten angedacht, ein eintägiges Schwimmfest im Herbst zu etablieren", sagt Lennhoff. Dies, so die Hoffnung des Vorsitzenden, solle nun 2010 in Angriff genommen werden.

Ein sportlicher Trost für Lennhoff und seinen SV Poseidon: Marvin Kunze hat trotz widriger Bedingungen einen echten Leistungssprung vollzogen, verbesserte seine Zeit über 100 m Brust um zweieinhalb Sekunden auf 1:04,54 Minuten und qualifizierte sich sogar für die Kurzbahn-DM.

ZUR PERSON
Dirk Lennhoff, kaufmännischer Angestellter, ist 46 Jahre alt und verheiratet mit Andrea (45). Seit zwei Jahren ist er Vorsitzender des SV Poseidon, war zuvor 14 Jahre lang Geschäftsführer und vier Jahre Jugendwart im Verein. Seit 2009 gehört Lennhoff zum Schiedsrichterkader des DSV. Bereits 2005 wurde er erstmals zum Bezirksschwimmwart gewählt. Um die Ausbildung der Kampfrichter kümmert sich Lennhoff seit 2001. Seine Schiedsrichterlizenz erwarb er bereits vor 14 Jahren und war als Unparteiischer im Schwimmbezirk Nordwestfalen tätig. Lennhoffs Karriere als aktiver Sportler endete bereits im Alter von zehn Jahren bei Waspo Hörde.

Quelle: Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel vom 15.01.2010