Stück Lebensqualität im Wasser gefunden
Der Castrop-Rauxeler Schwimmer Marvin Kunze

CASTROP-RAUXEL Marvin Kunze schwimmt schnell. Doch für den 17-Jährigen ist die Jagd nach Bestzeiten nicht der einzige Grund, ins Becken zu springen. Schwimmen bedeutet für den Castrop-Rauxeler ebenso Lebensqualität.

Bei den Bezirksmeisterschaften in Gelsenkirchen knackte Kunze im Oktober zwei Uralt-Bestmarken. Über 50 Meter Brust unterbot der SV Poseidon-Schwimmer den Rekord um eine halbe Sekunde.

"Erfolg reizt mich"

Auf der 100-Meter-Distanz verbesserte er die Bestzeit von Frank Hölting (SG SSF Marl-Hüls) gar um eine gute Sekunde. Hölting hatte den Rekord bereits 1991 aufgestellt - da war Kunze noch gar nicht geboren.

Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften gab Kunze im November sein Debüt in Essen. Dort wurde er in der inoffiziellen Jahrgangswertung Zweiter über 50 Meter und Vierter über 100 Meter Brust. "Der Erfolg reizt mich am Schwimmen. Ich freue mich, wenn ich Erster werde, dann weiß ich, dass das Training sich gelohnt hat", erzählt der 17-Jährige.

"Rücken ist der größte Dreck"


Brustschwimmen ist die Paradedisziplin des Abiturienten. Aber auch in den Bereichen Kraul-, Delphin- und Lagenschwimmen konnte er Erfolge erzielen. Nur eine Art der Fortbewegung im Wasser liegt ihm gar nicht: "Rücken ist der größte Dreck", sagt Kunze gerade heraus und schiebt gleich eine Begründung hinterher: "Ich kann es einfach nicht, ich bin mal mit dem Kopf angeschlagen, weil ich ja nicht sehen konnte wie weit der Rand noch entfernt war."

Gut im Blick hat Kunze jedoch seine Gegner bei Turnieren - und das ohne allzu oft hinzusehen. "Beim Brustschwimmen schaue ich nur bei der Wende nach meiner Position", sagt Kunze. Schließlich kenne er seine Konkurrenten ja von anderen Wettbewerben und wisse um ihr Potential. "Wenn man dauernd guckt verliert man eine halbe Sekunde auf hundert Metern."

5000 Meter pro Trainingseinheit

Manchmal, gibt der 17-Jährige zu, habe auch er keine rechte Lust zum Training zu gehen. Wenn er aber erst im Wasser sei, kehre die Freude am Schwimmen zurück. "Im Wasser bin ich glücklich, es ist ein Gefühl von Freiheit und Lebensfreude." Dann zieht er seine Bahnen, legt 5000 Meter pro Einheit zurück, 50-Meter-Sprints und dann wieder 800 Meter mit halber Kraft, für die Kondition - und fühlt sich dabei wohl wie ein Fisch im Wasser.

Seit fast zehn Jahren schwimmt Kunze beim SV Poseidon. Zwar habe er in letzter Zeit verstärkt Offerten erhalten, den Verein zu wechseln, diese seien aber keine Option für ihn. "Um richtig gut zu werden hätte ich schon vor Jahren wechseln und täglich trainieren müssen." - Christian Püls


ZUR PERSON
Marvin Kunze ist 17 Jahre alt und besucht die zwölfte Jahrgangsstufe des Berufskollegs. Nach dem Voll-Abitur im Bereich Wirtschaft und Verwaltung möchte er Ingenieurwesen und Betriebswirtschaftslehre studieren, um später als Wirtschafts-Ingenieur zu arbeiten. Kunze konnte bereits mit drei Jahren schwimmen und ist seit fast zehn Jahren im Schwimmverein Poseidon aktiv. Die sportliche Zukunft des Castrop-Rauxelers hängt laut eigener Aussage stark vom Zeitaufwand für das geplante Studium ab.

Quelle: Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel vom 12.02.2010