Schwimmen - ein Porträt : Der Hobbyprofi

Castrop-Rauxel, 09.02.2011, von Christoph Winkel



Marvin Kunze zählt zu den schnellsten Brustschwimmern seiner Altersklasse, Leistungssportler ist er aber nicht.

Dass Marvin Kunze heute zu den schnellsten Schwimmern der Umgebung zählt, ist kein Zufall. Marvin war gerade fünf Jahre alt, als seine Mutter ihn zum Schwimmunterricht anmeldete. Es dauerte nicht lange, da hatte sich der Castrop-Rauxeler eine Technik angeeignet, mit der er schneller war als die anderen. Viel schneller.

Mit sieben Jahren ging es zunächst in die DLRG. Doch auch hier wurde er nicht glücklich. Man sagte ihm: „Beim Lebensretten ist die Zeit zwar wichtig. Aber sie ist nicht alles.“ Also meldete er sich beim SV Poseidon an und schwamm dort zunächst im Nachwuchsteam des Clubs. Trainer Olaf Bölkow erkannte das Talent des jungen Burschen schnell und ließ ihn gleich mit der Wettkampfmannschaft trainieren. „Ich war gerade acht Jahre alt, die anderen 20 oder 22 Jahre alt“, erinnert sich der heute 18-Jährige und lacht.

Es folgten Wettkämpfe und Meisterschaften – Stadtmeisterschaften, Landesmeisterschaften und Deutsche Meisterschaften. Bis heute ist Marvin Kunze bei den Deutschen Meisterschaften, die zumeist in Berlin stattfinden, Stammgast. Platz zwei im Jahr 2007 in der Jahrgangswertung ist das bislang beste Ergebnis des Schülers. „Unter die Top Ten habe ich es immer geschafft“, sagt er.

Brustschwimmen auf der Kurzbahn ist die Paradedisziplin des Wassersportlers, der nur minimalen Trainingsaufwand betreibt. Das hat zwei Gründe: Zum einen sind die Trainingszeiten des Schwimmvereins nur sehr gering – Montags und Dienstag je anderthalb Stunden. Zum anderen strebt Marvin Kunze gerade sein Abitur am Berufskolleg in Habinghorst an. Der 18-Jährige will Wirtschaftsingenieurwissenschaften studieren. „Das ist momentan ein Fulltime-Job. Ich will die Schule gut abschließen“, sagt er.

In den Osterferien wird er aber am Trainingslager seines Vereins in Gerolstein teilnehmen. Denn Ende Mai stehen die Deutschen Meisterschaften auf dem Plan. Hier will er noch einmal mit einer guten Zeit überraschen. Im Brustschwimmen über 50 Meter. „Bei der Distanz kommt es nur auf die Kraft an. 50 Meter Full-Power“, sagt er. „Ab 100 Metern ist die Kondition dann fast wichtiger als die Kraft.“

An die nahezu perfekte Zeit von 1;04,8 min., den Bezirksrekord über die 100 Meter, wird er wohl nicht heran kommen. „Zu dieser Zeit bin ich fünf Mal pro Woche geschwommen“, erklärt er. Zudem war es 2007 noch erlaubt, sündhaft teure Schwimmanzüge zu tragen. „Bei den Männern ist Schwimmkleidung heute nur bis zu den Knien erlaubt. Die Anzüge waren bestimmt für zwei Sekunden gut“, sagt er.

Zahlreiche Angebote anderer Vereine schlug Kunze aus. Er will die Badehose des SV Poseidon anbehalten. „Ich bin nicht so gut, dass ich später davon mal leben könnte. Also betrachte ich den Sport als schönes Hobby, in dem ich auch noch sehr gut bin.“

Übrigens bleibt dadurch auch genügend Zeit für seine zweite Leidenschaft: den Ballspielverein Borussia Dortmund. Als Zapfer im Kiosk hinter der Südtribüne hat er bei jedem Spiel freien Eintritt.

Quelle: WAZ Castrop-Rauxel vom 10.02.2011